Gaffen tötet

Ein Design, das Leben retten kann

Da vorne! Ein Unfall - mitten auf der Autobahn. Was jetzt? Richtig: Rettungsgasse bilden.

Viele Verkehrsteilnehmer aber tun genau das nicht und versuchen stattdessen, einen Blick auf den Unfall zu erhaschen. Von Blaulicht und Martinshorn fasziniert, wollen die Menschen sehen, was passiert. Schnell entsteht so eine ganze Menschentraube auf der Straße. Neugier ist menschlich. Aber Schaulustige, die an Unfallorten das Geschehen beobachten, fotografieren oder filmen, gefährden Leben: das der Unfallopfer und manchmal sogar ihr eigenes.

Agentur
Scholz & Friends
Jahr
2021
Awards
  • Cannes Lions - 2x Bronze (2021)

Funktionalität im Design

Auch die Rettungskräfte der Johanniter werden immer wieder durch Schaulustige bei ihrer Arbeit behindert. Smartphones und Social Media verschärfen die Problematik zusätzlich. „Das muss sich ändern, denn oft entscheiden schon wenige Minuten über Leben oder Tod“, sagt Jörg Lüssem, Mitglied des Bundesvorstandes der Johanniter-Unfall-Hilfe.

Gemeinsam mit den Johannitern lenken wir die Aufmerksamkeit auf das brisante Thema „Gaffen am Unfallort“. Unsere Aktion #gaffentötet nutzt dafür eine innovative Design-Idee: Ein Muster auf Basis der QR-Technologie, aufgedruckt auf den Einsatzfahrzeugen und der Ausrüstung der Rettungskräfte, hält Schaulustige davon ab, das Geschehen mit ihrem Smartphone festzuhalten. Denn der im Muster enthaltene QR-Code löst auf dem Handy der filmenden Person den automatischen Warnhinweis „Gaffen tötet!“ aus. Gaffenden wird ihr Tun und dessen mögliche Folgen so unmittelbar bewusst gemacht. Sie erwischen sich praktisch selbst auf frischer Tat.

Von der Idee zur Umsetzung

Die Berliner Johanniter testen unsere Idee jetzt im Arbeitsalltag. Acht Rettungswagen und ein Intensivtransportwagen bekommen das innovative Design. David Kreuziger, Mitglied des Landesvorstands der Johanniter in Berlin/Brandenburg und selbst Notfallsanitäter, ist sich sicher, dass die Aktion großes Interesse auch bei anderen Betroffenen hervorrufen wird: „Gaffer sind ein Riesenproblem in allen Rettungsdiensten, daher sind wir sicher, dass diese Aktion eine hohe Aufmerksamkeit bekommen und Nachahmer in der gesamten Branche finden wird.“ Auch Jörg Lüssem bekräftigt dies: „Es macht mich stolz, dass wir als Johanniter hier Vorreiter für etwas sind, was viele weitere Organisationen zum Mitmachen anregen wird.“

Übrigens: Gaffen ist kein Kavaliersdelikt. Seit dem 1.1.2021 gilt laut Paragraf 201a des Strafgesetzbuches, dass das Fotografieren oder Filmen eines Unfalls mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren belangt werden kann.